Vision Elektromobilität für Hamburg

AUF DEM WEG IN DIE ZUKUNFT

Neue Konzepte für Mobilität sind gefragt. Eine ganzheitliche Betrachtung ist dabei unumgänglich. Neben dem kontinuierlichen Ausbau des öffentlichen Verkehrsnetzes in den vergangenen Jahrzenten braucht es Konzepte, die auch dem Individualverkehr eine neue Richtung geben. Neben einer möglichen Reduktion des Individualverkehrs muss Mobilität zukünftig ressourcenschonender und umweltfreundlicher werden.

Im ersten Jahr werden im Rahmen des hamburggoesgreen Konzeptes über 200 Elektroautos zum Einsatz kommen. Dabei werden fundierte Erfahrungen über Praxistauglichkeit, Verbrauch, Reichweiten, Servicekosten, verschiedene Akkutechnologien, die tatsächliche Nutzung der Ladeinfrastruktur sowie verschiedene Kfz-Typen und Änderungen im Mobilitätsverhalten gesammelt und ausgewertet.

hamburggoesgreen - Mobilität im Einklang mit unserer Umwelt


Der Geschäftsführer der Firma mo-tronic GmbH, Herr Michael Ohle, im Interview mit dem Hamburger Journalisten Mike Neschki von MCN zum Thema "Visionen":

mcn: Herr Ohle, wieviel Auto braucht der Mensch? 

Michael Ohle: Wenig, denke ich, denn die meisten, ich schätze so um die 60 bis 70 Prozent aller Pendler, legen im Schnitt nicht mehr als 30 Kilometer am Tag zurück. Und die sollten in erster Linie einigermaßen bequem, günstig und trockenen Fußes hinter sich gebracht werden.

mcn: Wie reagieren die Automobilhersteller?  

Michael Ohle: Falsch! Die großen Automobilhersteller überschlagen sich heute mit ihren Visionen von elektrischer Mobilität. Richtig ist, dass wir Visionen brauchen, gerne auch die Vision vom Strom aus der Wüste, aber wir müssen konzeptionell in die richtige Richtung gehen, und das kann von den Automultis meines Erachtens nicht behauptet werden. Wir brauchen keine elektrisch betriebenen PKW’s mit vier Türen, zwei Tonnen Gewicht und dem ganzen elektronischen Schnickschnack wie zum Beispiel die Autos von Daimler mit ihrem E-Smart oder von BMW mit ihrem elektrifizierten Mini. Was soll das Ganze? Diese Fahrzeuge haben zwar eine Reichweite von knapp 150 Kilometer, aber sie kosten heute auch rund 40.000 Euro.

mcn: Für einen Zweitwagen? Wer bitte soll das bezahlen?

Michael Ohle: Die Frage stellt sich tatsächlich. Und daran erkennen Sie, dass der Ansatz falsch ist. Ein herkömmliches Auto zum e-car umzufunktionieren ist nicht sinnvoll! Viel zu schwer, viel zu viele unnötige elektrische Verbraucher! Denken wir doch nur mal an die Sitzheizung, Klimaanlage, die 100 Watt Stereoanlage. Nein, so geht das nicht. Ein Fahrzeug muss von vornherein als e-car konfektioniert werden, aber davon sehe ich leider wenig bis gar nichts.

mcn: Was brauchen wir denn nun wirklich?  

Michael Ohle: Ganz einfach! Eine bezahlbare Mobilität! und die gibt es tatsächlich bereits heute. Die Diskussionen über die zu geringe Reichweite von e-cars sind müßig. Wenn ich als Einzelperson eine tägliche Wegstrecke von nur durchschnittlich 30 Kilometer zurücklegen muss, stellt sich mir doch die Frage, aus welchen Gründen brauche ich ein teures viersitziges Fahrzeug mit 150 Kilometer Reichweite und immens teueren Batterien? Damit komme ich von Hamburg auch nicht an die Ostsee und wieder zurück. Da werden von der Industrie falsche Erwartungen geweckt. Ein Elektrofahrzeug wird ein herkömmliches Familienauto im Moment noch nicht ersetzen können. Es ist aber das ideale Zweitfahrzeug, insbesondere für die Wegstrecke ins Büro, zum Bahnhof, zum Flughafen respektive für den innerstädtischen Verkehr. Da rentiert sich ein Elektromobil mit 50 bis 60 Kilometer Reichweite allemal.

mcn: Und wenn man längere Strecken fahren muss?  

Michael Ohle: Nun, dann gibt es doch auch noch die Bahn, oder?

mcn: Welchen Vorschlag haben Sie denn genau zu bieten?

Michael Ohle: Wir haben einen mittelständischen Betrieb in Italien gefunden, der genau das Fahrzeug für uns produziert, das wir für individuelle e-Mobilität als geeignet ansehen. Ein bisschen Golfcart, ein bisschen Roller, allemal ausreichend für die vorher erwähnten Wegstrecken und dazu auch noch mit einem absolut ansprechenden Design. Wir haben das Mobil „öps“ getauft,  wobei „öps“ für "ökologisch-praktisch-sauber" steht. Mit einer Breite von gerade mal einem Meter passen fünf von unseren Fahrzeugen auf einen herkömmlichen Parkplatz und mit einer Länge von 1,70 Metern können diese e-cars auch quer eingeparkt werden. Ach so, eins hatte ich ganz vergessen; der Wendekreis entspricht dem eines Kinderwagens! Sie können quasi auf dem Teller drehen.

mcn: Nun bin ich aber gespannt

Michael Ohle: Können Sie auch. Die ersten Mobile befinden sich bereits im Dauertest. Sollten keine relevanten Kinderkrankheiten auftreten, werden wir die ersten 200 Stück im Rahmen eines car-sharing Projektes zu sehr günstigen Konditionen in Hamburg zur Vermietung anbieten. Wir denken hier in Zukunft an Tagespreise von unter 20 Euro. In diesem Rahmen  können wir die notwendigen Langzeiterfahrungen sammeln. Aber, auch wir haben Visionen! Wenn wir dieses Projekt in Hamburg erfolgreich abgeschlossen haben, werden wir "...goesgreen" natürlich auch in anderen Städten anbieten und die Flotte vergrößern.

mcn: Sie haben sich ja viel vorgenommen

Michael Ohle: Sicherlich, aber es macht ja auch großen Spaß. Sehr wichtig ist die Akzeptanz des Konzeptes und natürlich des Fahrzeuges. Man muss schon ein bisschen umdenken, denn unser "öps" bietet nur den notwendigen Minimalkomfort. Aber es bringt viel Freude und ist ideal für eine ökologische Mobilität. Und hier scheiden sich leider noch die Geister.

mcn: Beim Smart hat es auch einige Jahre gedauert bis er sich durchgesetzt hat und zum Kultmobil wurde

Michael Ohle: Ja, wir hoffen, dass wir nicht so lange brauchen werden. Unsere bisherigen Testfahrer, recht kritische Mitbürger, stiegen allesamt mit einem Lächeln im Gesicht aus dem Fahrzeug. Und das macht uns natürlich zuversichtlich. Umdenken ist angesagt. Es ist doch "cool"  für zirka einen Cent pro Kilometer durch die Hamburger Innenstadt zu kurven, überall einen Parkplatz zu finden und dies auch noch absolut ökologisch. Wir haben uns bereits an die Hamburger Innenbehörde und den Bürgermeister gewandt und gebeten, Parkplätze ausschließlich für e-cars zur Verfügung zu stellen und sie von Parkgebühren zu befreien. Das macht das Projekt dann richtig interessant.  

mcn: Nun machen Sie mich neugierig. Ist es möglich eine Testfahrt zu machen?

Michael Ohle: Ja, sagen Sie uns nur wann und dann geht es los. Im Übrigen führte der Energiekonzern RWE Ende August eine Roadshow für Elektromobilität in den Deichtorhallen durch. Leider wurden dort nur Fahrzeuge ausgestellt, die nicht unseren Kriterien entsprachen. Einen elektrischen Sportwagen zu präsentieren, der über 100.000 Euro kostet, geht doch völlig am Markt der Kurzstreckenmobilität vorbei.

mcn: Eine wichtige Frage habe ich noch. Wer finanziert dieses Projekt?

Michael Ohle: Diese Frage kann und möchte ich zum augenblicklichen Zeitpunkt nur ansatzweise beantworten. Die beteiligten Unternehmen und Personen arbeiten zur Zeit quasi "ehrenamtlich". Eine positive Resonanz aus der Industrie und Politik ist jedoch zu erkennen. Unsere Fahrzeuge eignen sich hervorragend als Werbeträger, eine große fastfood-Kette hat sich bereits bei uns gemeldet und es werden sich bestimmt noch weitere  Sponsoren für unser Projekt finden.

mcn: Ich danke Ihnen für dieses Gespräch.

 
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